Heute gibt es keinen Zweifel: ich ziehe einfach an, was die Tasche hergibt. Die Dreharbeiten führen uns zu den Eisbergen im Lago Argentino, inklusive des Auslebens von Männerträumen: Schlauchboote - richtig schnelle Polizeischlauchboote. Eisiger Wind weht uns um die Nase und das Gebrüll der Motoren unterbindet jede Form der Kommunikation (man muss sich ja auch nicht immer unterhalten), der Blick schweift in die Ferne. Die uns begleitenden Wasserschutzpolizisten behaupten dann auch mit großem Selbstverständnis, sie hätten einen Traumjob - irgendwie kann man es verstehen. Frische Luft, überwältigende Landschaften und tolles Spielzeug. So toll, dass wir immer wieder als Fotomotiv für die Tourisenboote herhalten müssen. Wir haben es mal grob überschlagen: etwa 100.000 Fotos werden pro Tag
von diesen Eisbergen gemacht. Dicht gedrängt stehen die Pasagiere an Deck und knipsen, was das Zeug hält. Vor lauter fotografieren sehen sie die irre Szenerie vermutlich nicht mal. Dabei ist es so schön - und gefährlich. Selbst die kleineren Eisstücke könnten mit ihren scharfen Kanten einen Bootsrumpf aufschlitzen. Und noch aus einem anderen Grund ist Vorsicht geboten: Eisberge schmelzen nicht nur über der Oberfläche, sondern auch Unterwasser. Der Schwerpunkt des Giganten verändert sich, bis er umkippt - Abstand empfiehlt sich also. Ebenso wie bei den Magellan-Pinguinen. Ein paar Tage später sind wir nämlich bereits in Trelew und drehen in der größten Pinguin-Kolonie außerhalb des antarktischen Kontinents. Ich weiß nicht, wer sie gezählt hat - aber es sollen 200.000 Paare sein, die hier jedes Jahr von August bis Ende März brüten und das macht die Sache mit dem Abstand nicht ganz so einfach. Auf ihrer Futtersuche folgen sie den nahrungsreichen Kaltwasserströmen und absolvieren dabei Strecken bis zu 500km. Und dann finden die
kleinen Kerle auch noch zielsicher zurück ins eigene Nest - ich dagegen verfahre mich immer noch regelmäßig in Köln. Aber vergangenes Jahr versagte sogar das Pinguin-Navi: die pflichtbewußten, frischgebackenen Eltern folgten einer instabilen Kaltwasserströmung und tauchten unerwartet an den Stränden Rio de Janeiros - etwa 4.000km weiter nördlich - auf. Die sonnenwütigen Strandbesucher staunten nicht schlecht, als die völlig erschöpften Tiere über ihre Handtücher watschelten. Und die Rettungsaktion ließ nicht lange auf sich warten: in Kisten verpackt wurden die Tiere nach Argentinien geflogen - und waren somit die ersten fliegenden Pinguine.
Lieber Olli,
AntwortenLöschenich sitze hier im grauen Mainz, die Eis- und Schneeberge schmelzen weit weniger spektakulär als bei euch und bis jetzt sind auch noch keine fehlgeleiteten Pinguine im Rhein aufgetaucht... . Trotzdem verfolge ich begeistert eure Blogs und kann meinen Neid gar nicht in Worte fassen ... :)
Viel Spaß weiterhin und viele Grüße ans Team,
Astrid
Liebe Astrid,
AntwortenLöschenschoen, dass Du uns auch in Mainz die Treue haeltst!!! Der Dreh neigt sich dem Ende zu, so dass sich der Neid bald in Luft aufloesen duerfte - am Freitag stehen wir naemlich auch im Schneegestoeber auf der Autobahn...:-)
Liebe Gruesse, Oli