Freitag, 2. Juli 2010

Konjunktiv im Dauereinsatz

Wir sind wieder in Deutschland. Aber nur "eigentlich". Denn der technische Zustand unseres Fliegers verhindert den Abflug. Nur leider sitzen wir zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als einer Stunde eingekeilt in viel zu engen Sitzreihen zwischen unseren Mitreisenden. "Ich versuche, Ihnen das mal zu erklären... ." Die Stimme aus dem Cockpit stottert ein wenig, als uns der Pilot das fehlerhafte Ventil in Kühlsystem erklären will und für einen ganz kurzen Moment ist es mir, als erkläre er es sich selber. Die Einhaltung der Crew-Arbeitszeit ist das nächste Problem und so allmählich dämmert uns, was wir nicht hören wollen. Und dann kommt es auch schon: die Flugverkehrskontrolle in Las Vegas lässt uns wegen hohem Flugaufkommen ohnehin nicht vor Freitag, 23.00Uhr deutscher Zeit starten. Ein deutlich vernehmbares Raunen schlängelt sich durch die Kabine. Das Cockpit wünscht uns noch einen schönen Urlaubsabend und nach zweieinhalb Stunden im weder wohltemperierten noch wohlriechenden Flieger dürfen wir wieder aussteigen und weitere drei Stunden später sind wir mit unseren zehn Koffern im Hotel. Merke: die halbe Flugzeit haben wir mit nicht-fliegen verbracht. Aber: die Beinfreiheit in meinem Hotelzimmer ist definitv zu bevorzugen. Lediglich ein weiteres Rechenspiel lässt uns unruhig einschlafen: was, wenn wir den Anpfiff des Viertelfinals verpassen? Also, nochmal zurückspulen: "Die mögliche Abflugzeit wäre dann 14.00 (23.00)Uhr." Aha. Und wieder schleicht ein "eigentlich" durch mein Sprachzentrum. "Mögliche Abflugzeit." Der Spielraum ist gering, denn die geplante Landung wäre dann am Samstag, 11.00Uhr in Frankfurt. Der Konjunktiv ergreift das Zepter in unseren Gesprächen, getrieben von der Sorge, das wir drei Bundestrainer einen weiteren historischen Sieg verpassen könnten. Aber: eigentlich müssten wir das schaffen... Ob Thorsten uns wohl rechtzeitig nach Hause bringt, wenn ich ihm 20$ biete???


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen