Dienstag, 24. November 2009

Drehbeginn mit Hindernissen




Am späten Abend sind wir da, wo wir sein sollen: Uganda. Nur leider fehlt ein Teil unserer 13 Kisten. Ein wenig überraschend ist das schon, schließlich hat uns KLM in Amsterdam die Verladung vor dem Abflug bestätigt. Ich bedanke mich also an dieser Stelle ausdrücklich bei meinem Kollegen John, der mir einige Stücke seiner geschmackvoll zusammengestellten Kollektion (die buntesten Stücke lehne ich dankend ab) mit britischer Zielsicherheit zur Verfügung stellt - meine Tasche befindet sich nämlich leider auch unter den fehlenden Gepäckstücken. Laut Plan sollen am nächsten Morgen um 07.00Uhr die Dreharbeiten beginnen; wir disponieren um und führen eine ausführliche Vorbesichtigung durch. Dirk ist das ganz recht, er fühlt sich nicht gut und wir drei übriggebliebenen machen uns auf den Weg. Einige Augenpaare beobachten uns mit unverhohlener Neugier, als wir in Entebbe (im hiesigen Botanischen Garten wurden in den 1930er Jahren die Aussenaufnahmen für Johnny Weissmüllers Tarzan-Filme gedreht) auf das 8m lange Holzboot klettern, um auf den Victoriasee zu tuckern. Mit reger Fürsorge zwängt man uns unter starker Anteilnahme der Umstehenden in leuchtende Schwimmwesten - ein modisch durchaus vernachlässigbares Detail, welches überhaupt nicht zur Abkühlung beiträgt. Den monotonen Klang des kleinen Motors im Ohr, senken wir im kaum vorhandenen Fahrtwind unsere Köpfe - die Sonne brennt gewaltig. Der Victoriasee ist so groß wie Bayern - da ist man mit so einer Nußschale wie der unsrigen schon eine Weile unterwegs. Wir schippern entlang von Zuckerrohrfeldern und großflächig wachsenden Wasserhyazinthen, im Wasser schwimmen Millionen von Insektenlarven, die an das Ufer geschwemmt werden. Glücklicherweise funktioniert das Handy: am Nachmittag erhalten wir den erlösenden Anruf, dass unser Gepäck angekommen ist. Und bereits am Abend drehen wir die ersten Einstellungen: Nächtliche Schwärze, Lampen und eine ordentliche Insektenwolke sind unser Thema. Fast habe ich das Gefühl, noch immer den kleinen Aussenborder zu hören - so laut tönt das Gebrummsel um uns herum. Immer wieder dringen die kleinen Dinger in Ohr, Auge, Mund und Nase vor. Prustend und fluchend stehen wir am Strand, der Invasion fast hilflos ausgeliefert: das Mücken-Kopfnetz wird zum preisgekrönten Accessoire - modische Rücksichtnahme ist auch in diesem Moment völlig deplatziert. Einige Stämme entlang des Victoriasees fangen Insekten mit Netzen, frittieren sie und verarbeiten sie zu Frikadellen... Ich glaube, ich schaue mir die Speisekarte im Restaurant gleich lieber ganz genau an....

1 Kommentar:

  1. Ich habe schon immer, beim Berachten von Filmaufnahmen versucht, mich hinter die Kamera zu stellen um die Einstellungen nach zu vollziehen und war fasziniert vom Können und der Leistung dieser Menschen, um dann beim Abspann festzustellen, was und wie sich da alles platzierte und fast so nebenbei, wurden auch die Kameraleute genannt, obwohl sie ja doch die Kärrnerarbeit geleistet hatten.???
    Es gibt keine Gerechtigkeit, das ist Utopie, damit müssen wir alle leben.
    Trotzdem weiter: viel Spaß beider Arbeit, (hat je auch nicht jeder).
    H.M.Siery

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