Zwei Schritte vor und einer zurück - nur im Schneckentempo geht es voran und schon nach ein paar Metern im Regenwald ist klar: das Leben ist kein Ponyhof. Der Regen der vergangenen Tage hat den Boden aufgeweicht und unsere Suche nach den Gorillas entwickelt sich zu einer ausgewachsenen Rutschpartie. Mal ganz davon abgesehen, das wir hier auf 2700m unterwegs sind - BERGgorillas halt. Es gibt keine Wege, der Mann mit der Machete bahnt uns einen Pfad durch die dichtbewachsenen Berghänge - wir folgen der Spur einer Gruppe Gorillas, die am Abend zuvor gesichtet wurde. Hier und da kommt uns ein lustiges Sprüchlein über die Lippen, leises Lachen, die Stimmung ist entspannt - noch. Die Luft riecht nach Regen, sattem Grün und nach... Schweiß. Der läuft nämlich in Strömen und mein Pulsschlag trommelt in beeindruckendem Tempo. Immer wieder rutschen wir aus, schon nach kurzer Zeit sind wir völlig verdreckt. Und das, obwohl wir tatkräftig von mehreren Trägern unterstützt werden - ohne sie wäre dieser Marsch wohl unmöglich. Aus weiter Ferne, wie durch einen Tunnel dringt ein gekeuchtes: "50% ist Kopfarbeit..." in meinen von Fliegen umschwirrten Gehörgang vor (nebenbei bemerkt macht man sich mit solchen Sprüchen keine Freunde...). Plattgedrückte Büsche und Gorillakacke (ist übrigens groß, rutschig und stinkt gewaltig) zeigen uns, das wir auf dem richtigen "Weg" sind. Und dann ist es soweit: nach 2 Stunden hören wir nicht nur leises Grunzen, sondern entdecken einige Tiere am gegenüberliegenden Hang, etwa 80 Meter entfernt. Wir bereiten die Kamera vor, lassen die Träger zurück und machen uns in einer kleinen 5er-Truppe - der auch Martha Robbins, die weltweit führende Berggorilla-Forscherin angehört - auf den Weg. Urplötzlich und unabsichtlich befinden wir uns mitten in der Gorillagruppe. Dabei können wir sie nicht einmal sehen, der Wald ist einfach zu dicht. Überall werden aus dem Nichts Büsche und Äste umgeknickt, hier und da sehen wir kurz eine Hand, laut und deutlich vernehmen wir Blähungen (kein Wunder bei 6Kg Grünzeug täglich). Aber dabei bleibt es dann doch nicht: unmittelbar neben uns klettern 2 Berggorillas samt Nachwuchs auf einen Baum und beginnen tiefenentspannt zu fressen. Ihre Entspannung hat einen Namen...Rukina. Der Silberrücken ist der Chef der Gruppe, liegt gut versteckt hinter einem Busch und lässt uns seine Grösse bloß erahnen - bis er sich ganz langsam bewegt und aus dem Gebüsch kommt. Er würdigt uns keines Blickes, kann sich unseres Respektes aber absolut sicher sein: der riesige, muskulöse Körper bewegt sich mit beeindruckender, vollkommener Eleganz. Automatisch halte ich die Luft an, aber innerhalb von Sekunden ist das Schauspiel schon wieder vorbei und Rukina verschwindet aus unserem Blickfeld. Die Dreharbeiten sind extrem anstrengend, eigentlich sollen wir eine Distanz von etwa 7 Metern einhalten - bloß, wer erklärt das den Gorillas? Immer wieder halten wir uns mitten in der Gruppe auf, selbst wenn wir versuchen sie weiträumig zu umlaufen.
Aber dann treffen wir auf Fuzi, einen etwa 10jährigen Schwarzrücken... Oder besser gesagt, er auf uns. Er kommt aus einem Busch, sondiert die Lage und schlendert gemütlich in bester Schwarzenegger-Manier auf uns zu. Ein kontrollierter Rückzug ist nicht mehr möglich - keine 2 Meter vor der Kamera bleibt er stehen, betrachtet uns in Seelenruhe. Und wir ihn...wenn auch nicht ganz so ruhig, schließlich könnte der Kollege locker zwei Kleinwagen heben. Entspannt trottet er auf allen Vieren weiter an uns vorbei, aber nicht spurlos an mir vorüber: ein Freudentröpchen löst sich und ein Blick in die Gesichter der anderen zeigt mir, dass es ihnen genauso geht. Seine Attacke dagegen kommt aus dem Nichts und trifft unseren wissenschaftlichen Begleiter Gart, dem er fast schon beiläufig mit einem unerwartet schnellen Ausfallschritt sein Hinterteil in die Beine drückt und ihn mit dieser Arschbombe zu Boden wirft: "Der will nur spielen", sagt Martha und ich bin ein kleines bißchen froh, dass ich nicht Fuzis neuer Spielkamerad bin.
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AntwortenLöschengibt’s eigentlich bei diesem Job eine Gefahrenzulage? Und wie sind die Kameraleute eigentlich versichert??
Da hält man ja als Leser die Luft an, bei diesem Bericht, der ja nur ein kleiner Ausschnitt des Geschehens sein kann und was sonst noch alles passiert.........
das Gute dabei ist, man kann ganz nebenbei seine Nervenstärke testen und damit sein Selbstwert- Gefühl ausbauen, was ja nicht zu unterschätzen ist, wenngleiches auch nicht gerade bei dem Geschilderten anwendbar erscheint.
Ich bin froh wenn der nächste Bericht erscheint, nur dann kann ich sicher sein, dass die Verwandtschaft sich anständig benommen hat.
Weiter gespannt
H.M.Siery
Nachtrag
AntwortenLöschenEduard Bay, ein Onkel von mir, ein großartiger Mann, der in meiner Jugend dass Vorbild in jeder Bziehung war und um Ihm, Posthum, noch etwas leben zu lassen, habe ich Ihn bei Googele als Passwort benutzt, was ich jetzt fast bedaure, denn diese Arschlöcher, haben mir Ihn jetzt verbrannt, aber meine Maxime:
alles ist für etwas gut, kommt Er in diesem wunderbaren Block, doch noch zu angemessenen Ehren.
Macht Ihm keine Schande
ich danke Euch
H.S.Siery
Hi Olli,
AntwortenLöschenich folge völlig begeistert deinem Blog und euren Abenteuern. Schön, dass es Dirk wieder gut geht und der Berggorilla-Dreh geklappt hat. Ich bin weiter gespannt, was ihr noch so erlebt.
Viele liebe Grüße an dich und die anderen,
Astrid
He Fortuna, ich habe getippt -mehr schlecht als recht-und die letzten Vorbereitungen für Ecuador laufen. Somit verkrafte ich ein wenig besser deinen Kontakt zu den Gorillas- obwohl sich mein Neid nicht ganz bändigen lassen will- aber meine Aussichten sind auch nicht schlecht: Anden, Dschungel und Galapagos mit all seinen Tieren....und dass ganz ohne Arbeit, nur URLAUB- welch schönes Wort.
AntwortenLöschenAch übrigens habe ich auf einem meiner Drehs jemanden kennengelernt, der ansonsten ganz viel mit dir dreht...auch gerne mal für's ZDF!
Take care und bis zum nächsten Anruf!
Das Lämmlein