Der Ort: eine bis in den Grenzbereich gekühlte Hotellobby mit dem schlechtesten Kaffee der Welt irgendwo in Yuma. Die Zeit: sieben Uhr morgens. Die Mission: die Konvertierung der Amis zu Fussballjüngern. Das Ergebnis: ein Desaster. Selten wird ein historischer Sieg mit einem solchen Maß an Mißachtung gestraft - jedes von uns immer lauter bejubelte Tor beim 4:1 gegen England wird mit Kopfschütteln und Staubsaugerattacken rund um unsere Sitzecke quittiert. Lediglich unsere Drehpartner zeigen Verständnis und lassen sich auf einen Drehbeginn nach Schlusspfiff ein.Wir sind ins etwa fünf Stunden von Vegas entfernte Yuma an die mexikanische Grenze gereist, um in der grössten Entsalzungsanlage der USA zu drehen. Ein fast schon antikes Vertragswerk von 1944 zwingt die Amerikaner, dem Colorado River auf dem Weg nach Mexiko nur brauchbares, sauberes Wasser zuzuführen. Die Agrarwirtschaft setzt seitdem zunehmend Pestizide und Düngemittel ein und um diese herauszufiltern wurde die Entsalzungsanlage gebaut. Anschließend fahren wir bis nach San Diego, dort drehen wir bei sehr angenehmen und europäischen 19Grad ein Interview am renommierten Scripps-Institut. Schwupps...und schon geht es wieder zurück nach Las Vegas. Vorbei an alten Dance-Klubs, deren Besitzer wohl auch schon länger nicht mehr da waren. Die Fahrt zurück in den Abend beschert uns dann
auch bald wieder den altbekannten heißen Wüstenwind. Und weil das noch nicht reicht, bauen wir uns heute zur Mittagszeit auf dem Strip auf, um einen weiteren Zeitraffer zu produzieren - natürlich in praller Sonne. Vor uns aufgebaut ist ein gefülltes Goldfischglas und wir wolllen die Verdunstung des Wassers dokumentieren. Der Asphalt glüht unter unseren Sohlen und der Wasserverkäufer an der Ecke lächelt zufrieden.
Satte fünf Stunden lang stehen wir als Touristenattraktion in der brütenden Hitze. Unzählige Fragen müssen wir beantworten, der Amerikaner an sich ist offensichtlich mit grosser Neugier gesegnet. Aber glücklicherweise will sich niemand mit uns knipsen lassen - unseren Nachbarn geht es da anders: zwei unterdurchschnittliche Elvis Imitatoren und die Blues Brothers haben Stellung bezogen, um ihr Geld mit Touristenfotos zu verdienen; es ist Zeit für uns zu gehen. Und in unserem Fall ist das Glas nicht halbvoll, sondern dankenswerterweise endlich leer...wir können es kaum glauben.
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