Freitag, 10. Dezember 2010

Wer hat an der Uhr gedreht?

Jeden Morgen das gleiche Spiel. Mit aller Kraft wird der Schleim aus den dunklen Tiefen des Körpers hochgezogen und auf den Boden gerotzt. Von Zurückhaltung keine Spur – die öffentlich zur Schau getragene Hals- Nasen- und Rachenraumreinigung wird als Nationalsport zelebriert. Direkt vor meinem Fenster. Und noch vor dem Wecker. Hand aufs Herz: was kann man von einem Tag erwarten, der so anfängt? Wir haben die Beschaulichkeit der Berge verlassen und sind nach Rajasthan gereist. Im „Land der Könige“ werden wir uns die nächsten Tage aufhalten, von Jaipur aus die verschiedenen Drehorte ansteuern. Und weil wir ja quasi auf Tournee sind, gibt es auch den entsprechend großen Bandbus. 
Wir sind begeistert – das übliche Gepäck-Tetris entfällt und innerhalb kürzester Zeit gibt es eine für die kommenden Tage verbindliche Sitzordnung, Kopfhörer und MP3-Player liegen bereits parat. Keith Richards bemüht sich redlich, mir das morgendliche Sekretklatschen aus dem Ohr zu hämmern, während draußen die milchig-dunstige Landschaft vorüberzieht – Gespräche über den Sinn des Lebens machen um diese Zeit einfach noch keinen Spaß. Also, Augen zu und Ohren auf. Das ändert sich aber, als wir den ersten Drehort erreichen. Der Stufenbrunnen ist ein spektakuläres Bauwerk und macht beim Arbeiten viel Spaß - Treppensteigen ist ja schließlich gesund. 
Der zwischen Trocken- und Regenzeit wechselnde Grundwasserspiegel machte diesen pfiffigen Brunnen notwendig, über die Treppen konnten die Menschen dem Wasser sozusagen folgen. Den ganzen Vormittag verbringen wir also mit Frühsport, endlich wird es wärmer und draußen vor der Tür hält Doro, unsere Aufnahmeleiterin, mit vollem Einsatz russische Touristen von der Invasion ab.
Kurz vor ihrer Kapitulation sind wir dann fertig mit den Dreharbeiten, einige der entstandenen Einstellungen bilden die Grundlage für spätere Computeranimationen - das erfordert etwas mehr Zeit. Nahtlos machen wir uns auf den Weg zu einem weiteren spektakulären Drehort: Jantar Mantar. Die Sternwarte aus dem 18. Jahrhundert dient unter anderem zur Messung der Zeit und der Berechnung von Planetenbahnen. Nach einigem hin und her dürfen wir auf die grösste Sonnenuhr der Welt - mit 30m Höhe zeigt sie die Zeit bis auf 3 Sekunden genau an. Offensichtlich hat man sich schon vor 300 Jahren dafür interessiert, wie spät es ist... 
Für unsere Rasierer dagegen ist die Zeit offensichtlich stehengeblieben - keine Ahnung, wann ich mich das letzte Mal rasiert habe. Die beiden Sicherheitsleute aus Haridwar haben uns eindeutig inspiriert. Schnauzbartdesign made in India...


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