Donnerstag, 29. März 2012

Regen.Wald. Regen.Zeit.

Ankunft in Iquitos am späten Nachmittag, die vergangenen 30 Stunden hängen nicht nur in den Kleidern - sie kleben mal schön auf der Haut: die Sonne lacht so richtig laut und bei Temperaturen um die 35Grad löst die hohe Luftfeuchtigkeit sturzbachartige Schweißausbrüche aus. Wir sind froh, dass die Fliegerei ein Ende hat, arbeiten uns durch den regen Verkehr Richtung Zentrum. Die Stadt am Amazonas geizt mit architektonisch städteplanerischen Highlights - schöne Strassenzüge sind Fehlanzeige. Macht aber nix, Schlaf ist jetzt sowieso wichtiger als Sightseeing. Am nächsten Morgen ist es allerdings bereits um vier Uhr schon wieder vorbei mit der Nachtruhe. Der Jetlag hat einen Partner in Sachen Weckruf gefunden: Regen. Und der hier hat seinen Namen wirklich verdient. Lautstark prasselnd ergiessen sich unglaubliche Mengen auf die Stadt, zum Ende der Regenzeit gibt der Himmel noch mal alles. Auf dem Weg zu unserem ersten Drehort machen wir dann auch gleich noch Bekanntschaft mit den örtlichen Langfingern: an einer Anlegestelle verschwindet ein Rucksack und der Gang zur örtlichen Polizei lässt keinen Zweifel offen - das passiert hier nicht zum ersten Mal. Weiter geht es also zu unseren ersten tierischen Protagonisten. Wir schliessen den kleinen knuffigen Kerl sofort in unser Herz und
dabei hatte das Manati schon richtig viel Glück im Unglück. Seine Mutter wurde von Wilderen getötet,  Manati-Fleisch ist in der Gegend um Iquitos leider noch beliebt. Die verwaisten Kleinen werden dann unter katastrophalen Bedingungen als Haustiere gehalten, Tierquälerei wird hier wieder mal neu definiert. Das "Amazon Rescue Center" kümmert sich um solche Fälle und päppelt die Wonneproppen wieder auf und entlässt sie nach zwei Jahren mit bis zu einer halben Tonne Gewicht wieder in die Freiheit. So viel Gewicht
bringen selbst wir mit unserer Technik nicht auf die Waage. Und trotzdem brauchen wir an unseren Drehorten jede Menge tatkräftige Unterstützung, für die wir in dieser Witterung extrem dankbar sind. So auch in dem Dorf Centro Fuerte. Auf eine knapp 90minütige Bootsfahrt durch den überfluteten Regenwald folgt ein einstündiger Marsch durch eben
diesen zu einem großen Kautschuk-Baum. Immer wieder sinken wir bis zur Wade in den Schlamm, die Kleidung ist klatschnass und begleitet werden wir von Heerscharen von Moskitos. Als wenn das noch nicht reicht, geben uns angriffslustige Ameisen die Ehre. Kaum zu sehen, krabbeln sie an den Beinen hoch und beissen, was das Zeug hält. Ach ja,
habe ich bereits die Spinnen erwähnt? Am Set angekommen, hat es dann auch jeder eilig. Irgendwie will man sich nicht länger als nötig in dieser Sauna aufhalten. Und ich will auch gar nicht darüber nachdenken, was jetzt alles so in den Koffern und Kisten rumkrabbelt. Egal, jetzt ist erst mal der Gummibaum an der Reihe. Der Dreh selber läuft dank fachkundiger Beratung seitens der Indios geschmeidig und schon nach wenigen Stunden machen wir uns wieder auf den schlammig rutschigen Rückweg. Die Aussicht auf das klimatisierte Hotelzimmer lässt Teamherzen höher schlagen. Als Dank für unsere Mühen zeigt sich der Amazonas auf dem Rückweg dann aber doch noch von seiner romantischen Seite. Und dann kommt es: das leise Zischen der Bierflasche, das laute Rumpeln der Klimaanlage. Herz, was willst Du mehr?


3 Kommentare:

  1. Armer Oli!
    Im übrigen würden wir das Seekuh Kälbchen als Hochzeitsgeschenk nehmen, die würde bestimmt noch Platz im Aquarium finden... oder in der Maurerwanne auf dem Balkon! ;-) (Für alle Tierschützer, dies war ein Scherz!)
    Komm gesund und nicht ohne jegliche weltliche Güter zurück! Wir wollen ja nicht die Gästeliste umschreiben müssen.
    LG, A. und T.

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  2. Ich komme ganz bestimmt... die Frage ist nur, welche Krankheit ich mitbringe...;-))

    LG, Oli

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  3. Gut, dann verteilen wir entsprechende Medikamente als Gastgeschenke :D Malarone in Organzasäckchen...

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