Samstag, 19. Januar 2013

Türme des blauen Himmels






Da ist es wieder, dieses eigenartig vertraute Gefühl. Unterwegs. Fluggeräte, Busse und Wasserfahrzeuge jeglicher Art. Unsere Fortbewegungsmittel ändern sich manchmal stündlich und doch bilden sie eine große Konstante im Team-Alltag. Denn am Ende der Bewegung steht die Annäherung, das Ankommen, der Touchdown. Normalerweise. Doch hier ist vieles anders - in Torres del Paine, den Türmen des blauen Himmels - ist der Weg das Ziel. Immer weiter will man sich bewegen, von einem grandiosen Ausblick zum nächsten. Hinter jeder Kurve der staubigen, sich durch das Gebirge schraubenden Piste stockt der Atem, der Teambus füllt sich mit beeindrucktem und beeindruckendem Schweigen. Die Fahrt mit dem Schlauchboot durch die Eisberge des Lago Grey gerät zu einem visuellen Spektakel - meine Sinnesorgane genießen die Augenweide in vollen Zügen und heben die Mundwinkel zu einem Dauergrinsen an. Klaglos akzeptiere ich das Ende der Nachtruhe um 05.00 Uhr in der Frühe - was die Natur hier




geschaffen hat, ist einfach nur grandios. Das Beste daran: kein Handy, kein Internet stören die Kulisse. Das ausgerechnet ich das mal sagen würde, lag für mich immer im Bereich des Unmöglichen. Mit unserer Arbeit kommen wir folglich geschmeidig voran, auch wenn der ein oder andere hiesige Kollege




nicht wirklich verstehen kann, warum wir in dieser wunderschönen Landschaft Felsen mit einem grünen Tuch abdecken. Unsere Erklärungsversuche werden mit einem milden Lächeln quittiert - das wir an diesem Ort Computeranimationen vorbereiten, erscheint nur dem Team des ZDF sinnvoll. Lediglich der brutale Verlust meines Fotoapparates erfüllt mich mit grossem Schmerz. Beim Klettern am Fels löst sich die Halterung, die Kamera stürzt 15m in die Tiefe und zerspringt in mehrere Teile. Umso mehr brennen sich die Bilder von nun an in mein Hirn. Und dann passiert es doch, allerdings nicht ganz unerwartet: während wir am Abend des letzten Drehtages im Sonnenuntergang direkt an der




Gletscherkante arbeiten, macht sich aufgrund des eisigen Anblicks Ehrfurcht breit. Und irgendwie will sich keiner mehr bewegen. Wir haben uns angenähert und sind angekommen. Touchdown.

Position:Torres del Paine,Chile

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