Richtig, das ist ein Örtchen. Allerdings kein wirklich stilles. Und schon gar kein komfortables. Man könnte sagen, es entspricht vielleicht gerade mal im Ansatz den internationalen Anforderungen für interessierte und global erfahrene Lokushocker. Selbstverständlich wird es ohne Papier benutzt und auch an den potentiellen Schwimmbetrieb rund um die sanitäre Erleichterungsanstalt gewöhnt man sich nur schwerlich. Aber es gibt
ja bekanntlich Situationen im Leben, da hat man keine Wahl. Der Nahrungsmittelkonsum wird bei allen Teilnehmern auf das nötigste minimiert - aber es hilft nix, irgenwann erwischt es jeden. Unser Besuch im "Kuna Yala", im "Land der Kunas" beginnt (nicht überraschend) sehr früh. Bereits um drei Uhr geht es zum Flughafen, um dort in eine kleine Maschine zu steigen, die uns nach San Blas bringt. Der Anblick der Landebahn - die wir erst nach einem Sturzflug UNMITTELBAR vor dem Aufsetzen erblicken - sorgt für kurzzeitige emotionale Unausgeglichenheit. Gerade einmal 180Meter ungleichmässige Piste mitten auf einem Sandhaufen in der Karibik lassen unser Herz höher schlagen. Aber solange die Piloten sms verschicken und sich Witze erzählen...was soll da schon schiefgehen? Die Inseln der Kuna-Indios liegen etwa 45 lustige
Flugminuten vor der Küste Panamas und bieten dem aufgeschlossenen Reisenden nur das allernötigste. Schnell haben wir uns in unserer Unterkunft eingerichtet, wichtig wird es fuer John und mich sein, die Technik frei von Sand und Salzwasser zu halten - kein leichtes Unterfangen, wie sich bald herausstellt. Denn schliesslich bewegen wir uns ausschliessllich in kleinen Kanus und Booten zwischen den Inselchen. Die Strohhütten auf den aufgeschütteten Inselchen verlieren bei genauerer Betrachtung ein wenig
von ihrer Romantik: der Zivilisationsmüll kennt offensichtlich keine Grenzen. Und ein bisschen bin ich überrascht, wie entspannt die Kunas damit umgehen. Mitte des 18. Jahrhunderts haben die Kunas das Festland verlassen, um den üblichen Krankheiten zu entgehen. Und wir sind hier, um die Segel-Kanus der Kunas zu filmen. Schon Sir Francis Drake hat die Vorteile der kleinen, wendigen und schnellen Flitzer erkannt und sich bei seinen erfolgreichen Beutezügen von den Kunas unterstützen lassen. So eine Art "Fluch der Karibik" im Namen der
Königin - sie hat ihn dafür geliebt. Aber es gibt noch etwas, was die Kunas zu einem besonderen Volk macht: unter Ihnen leben überproportional viele Albinos. Die dunkelhäutigen Indios zogen in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder in den Krieg und starben, während die sonnenempfindlichen Albinos in Ihren Hütten bleiben mussten. Der Genpool der Kunas veränderte sich und bringt bis heute eine grössere Anzahl Albinos hervor. Die weissen Indios werden von Ihrem Stamm Mondkinder genannt - der Legende nach verjagen sie bei einer Sonnenfinsternis mit Pfeil und Bogen den Mond von der Sonne.
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