Tja, unser Dreh in Panama ist abgeschlossen und somit nähern sich auch die 90.000km ganz allmählich dem Ende. Aber nicht, ohne nochmal richtig Gas zu geben. Wir sind mittlerweile in Buenos Aires angekommen und reisen morgen nach Patagonien weiter. Windbäume, Eisberge, Pinguine, Gauchos, Pferde und der größte flugfähige Vogel der Welt, der Kondor - spannende Geschichten erwarten uns. Und das angeblich beste Fleisch der Welt...
Samstag, 23. Januar 2010
Tiefe Einblicke
Richtig, das ist ein Örtchen. Allerdings kein wirklich stilles. Und schon gar kein komfortables. Man könnte sagen, es entspricht vielleicht gerade mal im Ansatz den internationalen Anforderungen für interessierte und global erfahrene Lokushocker. Selbstverständlich wird es ohne Papier benutzt und auch an den potentiellen Schwimmbetrieb rund um die sanitäre Erleichterungsanstalt gewöhnt man sich nur schwerlich. Aber es gibt
ja bekanntlich Situationen im Leben, da hat man keine Wahl. Der Nahrungsmittelkonsum wird bei allen Teilnehmern auf das nötigste minimiert - aber es hilft nix, irgenwann erwischt es jeden. Unser Besuch im "Kuna Yala", im "Land der Kunas" beginnt (nicht überraschend) sehr früh. Bereits um drei Uhr geht es zum Flughafen, um dort in eine kleine Maschine zu steigen, die uns nach San Blas bringt. Der Anblick der Landebahn - die wir erst nach einem Sturzflug UNMITTELBAR vor dem Aufsetzen erblicken - sorgt für kurzzeitige emotionale Unausgeglichenheit. Gerade einmal 180Meter ungleichmässige Piste mitten auf einem Sandhaufen in der Karibik lassen unser Herz höher schlagen. Aber solange die Piloten sms verschicken und sich Witze erzählen...was soll da schon schiefgehen? Die Inseln der Kuna-Indios liegen etwa 45 lustige
Flugminuten vor der Küste Panamas und bieten dem aufgeschlossenen Reisenden nur das allernötigste. Schnell haben wir uns in unserer Unterkunft eingerichtet, wichtig wird es fuer John und mich sein, die Technik frei von Sand und Salzwasser zu halten - kein leichtes Unterfangen, wie sich bald herausstellt. Denn schliesslich bewegen wir uns ausschliessllich in kleinen Kanus und Booten zwischen den Inselchen. Die Strohhütten auf den aufgeschütteten Inselchen verlieren bei genauerer Betrachtung ein wenig
von ihrer Romantik: der Zivilisationsmüll kennt offensichtlich keine Grenzen. Und ein bisschen bin ich überrascht, wie entspannt die Kunas damit umgehen. Mitte des 18. Jahrhunderts haben die Kunas das Festland verlassen, um den üblichen Krankheiten zu entgehen. Und wir sind hier, um die Segel-Kanus der Kunas zu filmen. Schon Sir Francis Drake hat die Vorteile der kleinen, wendigen und schnellen Flitzer erkannt und sich bei seinen erfolgreichen Beutezügen von den Kunas unterstützen lassen. So eine Art "Fluch der Karibik" im Namen der
Königin - sie hat ihn dafür geliebt. Aber es gibt noch etwas, was die Kunas zu einem besonderen Volk macht: unter Ihnen leben überproportional viele Albinos. Die dunkelhäutigen Indios zogen in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder in den Krieg und starben, während die sonnenempfindlichen Albinos in Ihren Hütten bleiben mussten. Der Genpool der Kunas veränderte sich und bringt bis heute eine grössere Anzahl Albinos hervor. Die weissen Indios werden von Ihrem Stamm Mondkinder genannt - der Legende nach verjagen sie bei einer Sonnenfinsternis mit Pfeil und Bogen den Mond von der Sonne.
Dienstag, 19. Januar 2010
Der furchtlose John
Geschmeidig bewegen wir uns durch den Dschungel Panamas. Immer schoen dick eingepackt, schliesslich kreucht und fleucht hier das ein oder andere unangenehme Kleingetier - Milben, Muecken, Spinnen und andere quaelende Zeitgenossen. Trotz fast schon unanstaendiger Temperaturen: dickes Schuhwerk mit fetten Socken ist Pflicht. Die hohe Luftfeuchtigkeit fordert ihren Tribut - sturzbachartig fliesst der Schweiss, eigentlich muesste ich mehrfach taeglich die Kleidung wechseln und so wird jede Minute in einem klimatisierten, mit fliessendem (kaltem) Wasser versehenen Badezimmer zum Paradies. Diese Meinung teilt unser fauler Hauptdarsteller ganz sicher nicht. Der mag es naemlich am liebsten total entspannt und deswegen
hat er auch ziemlich schlechte Laune, als er uns seine Kletterfaehigkeiten zeigen soll. Faultiere geben keinerlei Laute von sich - ausser fauchen und das kann er richtig gut. Der kleine Mann fuehlt sich an wie ein Haufen gewachster Drahtfaeden, voll mit Zecken und Insekten und bewegt sich nahezu in Zeitlupe. Nur einmal in der Woche verlaesst er die Baumwipfel. Und wofuer? Er will auf`s Klo. Also, runter vom Baum. Dann am Boden mit dem Stummelschwanz ein Loch gebuddelt und das alles im absoluten Schneckentempo. Dieser Akt der sanitaeren Entspannung kostet ihn nicht nur mehr Energie als er in den sechs Tagen zuvor verbraucht hat. Sondern auch oft genug das Leben. Vor der Klotuer warten naemlich bereits alle moeglichen Fressfeinde. Und weil wir auch mal wissen wollen, wie die Aussicht da oben ist, sind John und Dirk in die Krone eines Urwaldriesen geklettert. Richtig: John. Ich sehe den Baum, ich sehe die Klettervorrichtung und mir ist klar: diese 35 Meter schaffe ich nicht. Meine Hoehenangst zwingt mich zur Bodenstaendigkeit und der furchtlose John muss ran. Mit Kamera und allem moeglichen technischem Geraet versehen saust er immer wieder am Baum rauf und runter. Und jede Sekunde dieses Drehs lohnt sich: wunderschoene Perspektiven entstehen durch das eigens fuer uns installierte Seilzugsystem. Die Geschichte mit der Vogelspinne, die erzaehle ich dann ein anderes Mal...
Freitag, 15. Januar 2010
Alterungsprozess
Da klagen wir doch gerne mal prophylaktisch ueber die moegliche Einfuehrung einer Strassenmaut und dann das: bis zu 300.000$ muss ein Containerschiff bezahlen, um durch den Panama-Kanal zu fahren. Und ueber mangelnde Auslastung beschwert sich bei den Betreibern niemand - ein Jahr im voraus muss ein Schiff angemeldet werden. Die Schleusen verbrauchen im Jahr in etwa soviel Suesswasser wie ganz Deutschland, bei immerhin gerade einmal 14.000 Schiffen. Ein unfassbarer Wasserverbrauch. Wir drehen zwischen zwei Schleusen und erleben immer wieder das Spektakel einfahrender Stahlkolosse. Der Weg dorthin will mir allerdings nicht so recht gefallen: eine Bruecke gibt es nicht, nur ueber das 1m breite und 25 lange Schleusentor gelangt man an den Drehort. Rechts blickt man etwa 30m in die Tiefe und der Handlauf haengt in Kniehoehe - schon der pure Anblick laesst meinen Bewegungsapparat in Sekunden altern. Der Alterungsprozess erreicht jedoch seinen absoluten Hoehepunkt, als waehrend der Ueberquerung (ziemlich genau in der Mitte) so eine bloede Hoellensirene die unmittelbar bevorstehende Oeffnung des Tores ankuendigt. Toll. Links ein Containerschiff, unter mir wackelnde Knie und vor mir laut feixende Kollegen... Oh, wie schoen ist Panama.
Montag, 11. Januar 2010
Oh, wie schön ist...
...Panama. Und genau da geht es morgen hin. Die Klamotten sind gepackt, was gar nicht so einfach war - schließlich reisen wir von Panama aus direkt weiter nach Patagonien, den Süden Argentiniens. Und dort treffen wir dann wohl auf deutlich kühlere, in jedem Falle aber windigere Verhältnisse. Beruhigend dagegen ist der rote Faden, der sich durch unsere Reisen zieht: während wir uns bei den letzten Trips immer erst im Laufe der Zeit an den Schlafentzug gewöhnen mussten, fangen wir hier schon vor dem Abflug damit an - um 02.00Uhr morgens geht es los, da lohnt schlafen tatsächlich nicht mehr. Über Frankfurt und Amsterdam nach Panama-City. Und dann können wir hoffentlich morgen Abend sagen: Oh, wie schön ist Panama...
Samstag, 9. Januar 2010
Dominosteine und Neujahrskranz
Ich weiss, ich habe die Bilder bereits vor ein paar Wochen angekündigt. Aber irgendwie kam immer eine Kleinigkeit dazwischen. Zum Beispiel Weihnachten und Silvester. Und ein intensives Schlafbedürfnis. Vergessen wir nicht das prasselnde Feuer im Kamin. Kurzum: Bequemlichkeit machte sich breit. Aber das ist jetzt vorbei! Das Fotoalbum On Tour: Uganda/Ruanda ist bereit zum Abruf. Einfach anklicken, oder rechts auf die Diaschau klicken.
Freitag, 11. Dezember 2009
Freudige Sendepause
Mit einem kleinen Brusttrommeln à la KingKong nehmen wir Abschied und schon nach dreitägigen Irrungen durch die Afrikanischen Rückreiseprozedere treffen John und ich direkt auf das pralle Leben: Vollsperrung auf der Autobahn. Die Holländer bauen noch wahnsinniger als wir und so ziehen sich die letzten Kilometer von Amsterdam doch erheblich. Eine schöne, wenn auch von vielen kleinen und grossen Hindernissen geprägte Tour ist vorbei. Und jetzt? Entgegen der ursprünglichen Planung verbringen wir Neujahr Zuhause; erst Anfang Januar geht es wieder los: Panama und Patagonien. Dazu mehr in den nächsten Tagen. Ebenfalls in den nächsten Tagen gibt es die Fotos aus Afrika - wir sortieren noch... Übrigens wird unsere Sendepause mit einem breiten Lächeln eingeläutet: die ersten drei Folgen sind mit großem Erfolg gelaufen.
Samstag, 5. Dezember 2009
Trübe Aussichten
Weil das mit dem frühen aufstehen langweilig geworden ist, gehen wir neuerdings gar nicht mehr schlafen. Der geplante Abflug um 02.30Uhr findet nicht statt: Bodennebel. Leider verbringen wir die nächsten Stunden auf der Rollbahn und dürfen den Flieger nicht verlassen. Die interessanten Ausdünstungen der Reisenden macht den Aufenthalt an Bord zu einem kleinen Abenteuer. Um 07.00 hat der Pilot ein Einsehen und entlässt uns an die frische Luft. Dirk freut sich besonders: er hat Geburtstag. Happy Birthday in Kigali... Ganz schön trübe Aussichten!
Freitag, 4. Dezember 2009
Meister Proper
Unsere Zeit in Ruanda neigt sich dem Ende zu - wir bewegen uns zügig Richtung Flughafen. Eine etwas skurrile Fahrt: Van Morrison und Frank Sinatra dröhnen aus dem Lautsprecher. Dabei gleiten wir vorbei an Tee- und Reisfeldern, alles schön ordentlich symmetrisch angelegt. Überhaupt fällt die Sauberkeit ins Auge. Kein Dreck trübt die Blicke, selbst der Lehmboden vor den Hütten wird gefegt - und zwar regelmässig: jeden letzten Samstag im Monat wird geputzt. Das ganze Land muss ran, ausnahmslos wird bis in die letzten Winkel geputzt. So sehr wir uns hier auch wohlfühlen: ich freue mich auf die heimatliche Winterzeit...und auf meine beiden Mädels - solange ich nicht am nächsten Samstag putzen muß...
Der Doktor und das liebe Vieh
Natürlich klingelt auch in Ruanda der Wecker bereits um 04.30Uhr. Mittlerweile haben wir uns aber so an das frühe Aufstehen gewöhnt, dass selbst Iris morgendlicher - liebevoll gemeinter - Redeschwall nahezu spurlos an uns vorüberzieht. Wir pumpen uns mit entspannter Mine einen Espresso und denken an unser Tagesprogramm: Giraffenjagd. Nein, nicht zum Spaß und auch nicht für den Metzger. Ein junger Giraffenbulle ist erkrankt und muß für die Untersuchung betäubt werden - eine seltene Aktion. Selbst erfahrene Tierärzte gehen mit grösster Vorsicht vor, denn jedes dritte Tier stirbt während der Betäubung. So herrscht an diesem Vormittag spürbare Anspannung im gesamten Team, eine Menge Fragezeichen erwarten uns. Wir begleiten den Doc, der das Fahrzeug in Position bringen lässt und sein Druckluftgewehr vorbereitet. 100.000fach stärker als Heroin und das bei gerade einmal 80$ pro Schuss - da wird wird sicher auch Amy Winehouse nervös. Zunächst verläuft alles nach Plan, bereits der erste Schuss ist ein Volltreffer. Für einen Moment erwarten wir eine reibungslose Aktion, aber dann dreht der Giraffenbulle durch. Er ist vollkommen breit und galoppiert schwankend wie ein junges Rennpferd davon, bis er ausgerechnet in einem Dornenbuschfeld zusammenbricht.
Hektik bricht aus, denn jede Sekunde zählt: der Bulle schwebt in Lebensgefahr. Sein Blutdruck übersteigt den unsrigen um das 3,5fache und der Kopf muss so schnell wie möglich auf Höhe gebracht werden, sonst droht ein Schlaganfall. Die Dornenbüsche machen die Arbeit fast unmöglich und die Anweisungen des Docs werden zunehmend lauter, denn für Blutabnahme und Untersuchung bleiben gerade einmal zehn Minuten. Ich tanze schwitzend und schwer atmend mit der Steadicam durch das Geschehen, mit Adrenalin bis in die Haarspitzen - die ausgeprägte Fotografierlust der örtlichen Mitarbeiter hatten wir nicht auf der Rechnung. Iris agiert als Räumkommando und geht auf die Paparazzi los, wie der Pinkelprinz in seinen besten Tagen. Und dann geht alles ganz schnell: der Bulle richtet sich sichtbar benommen auf und alle rennen wie die Hasen - ein Kick des Paarhufers kann schließlich tödlich sein. Erst als sich das Tier in gebührendem Abstand befindet, atmen wir alle erleichtert durch: das war sportliche Höchstleistung in Reinkultur und die letzten Bundesjugendspiele sind schließlich schon eine ganze Weile her.
Position:Ruanda
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