Es ist definitiv zu heiß. Viel zu heiß. In der brütenden Mittagshitze gleicht Mulegé einer Geisterstadt. Die Klimaanlage unseres Stoßdämpferfreien Zwei-Achsers ächzt im Grenzbereich und wir passen uns den örtlichen Gepflogenheiten an - Siesta. Es ist unmöglich, in diesem Backofen zu arbeiten. Mal ganz davon abgesehen, das das Mittagslicht absolut nicht kameratauglich ist. Die felsig-karge Kakteenlandschaft muss sich folglich bis zum Nachmittag gedulden. Aber das, worauf wir uns schon den ganzen Tag gefreut haben, kommt ohnehin erst viel später: ein Nachttauchgang. Nicht irgendeiner - sondern hoffentlich einer mit ganz besonderen Gästen: Riesenkraken. Es sind phantastische und unheimliche Geschichten, die über die Humboldt-Kalmare erzählt werden - von ihrer beeindruckenden Größe ist die Rede, aber auch von ihren Angriffen gegen Fischer und Taucher. Nachts kommen die bis zu 2m grossen Fleischfresser aus der Tiefsee an die Oberfläche und wir wollen wissen, ob diese Berichte stimmen. Fischer, denen wir von unserem Vorhaben erzählen, schütteln verständnislos den Kopf. Wir machen uns auf den Weg hinaus auf's offene Meer und bereiten die Unterwasserkamera vor. Die Stimmung ist gut, denn die Chancen auf Kontakt mit den Tieren stehen nicht schlecht. Mick, der leicht verbraucht wirkende, aber nette britische Tauchguide hat Seile mitgebracht. "Glaubt mir - es ist besser, wenn wir euch am Boot anbinden - die Kalmare sind kräftig und können einen Taucher ziemlich schnell runterziehen. Und zieht besser die Tauchanzüge an - nur für den Fall, dass sie euch zu nahe kommen." Danke Mick. Meine Erfahrung mit Nachttauchgängen hält sich ohnehin in Grenzen und ich frage mich, ob ich die mittags begonnene Siesta nicht lieber fortsetzen sollte. Stattdessen sitze ich hier im Dunkeln, versuche mich zu konzentrieren und warte auf das Startzeichen. Nervosität hat die Vorfreude verdrängt. Ein letzter Kameracheck und Rolle rückwärts ins 30℃ warme Wasser. Der Anblick ist beeindruckend.... Schwarz. Ich will gar nicht wissen, was hier alles um mich
herumschwimmt. Orientierung ist nahezu unmöglich und das nicht nur wegen der Dunkelheit; die Strömung ist ausgesprochen stark, ich fühle mich wie in einer Waschmaschine. Ein Sturm hat das Meer in den letzten Tagen aufgewühlt und wir hängen hilflos in den Überbleibseln. Denn so glatt die Wasseroberfläche auch erscheinen mag, so unruhig ist es ein paar Meter tiefer. Ohne Seil würden wir innerhalb von Sekunden abtreiben - ich schicke einen nonverbalen Dank zu Mick an die Oberfläche. Sabine, Dirk und ich verständigen uns mit Hilfe von Lichtsignalen und drehen zumindest eine Moderation. Aber bereits nach wenigen Minuten - einer gefühlten Ewigkeit - müssen wir den Tauchgang frustriert und ohne Kalmar-Kontakt abbrechen, denn eine kontrollierte Kameraarbeit ist unmöglich. Aber die Neugier ist geweckt - wir kommen wieder. Auch wenn das Wasser durchaus etwas kühler sein könnte.
Dass ist aber nun Grusel Pur und da fragt man sich, müssen wir eigentlich ALLES wissen, was sich auf diesem Erdball befindet und wo? Darf es eigentlich gar keine Geheimnisse mehr geben, denn dafür, dass es ein Bedürfnis nach Geheimnissen gibt,
AntwortenLöschenzeugt doch der nicht auszurottende Glaube an Loch Ness und die UFOS, von den hunderttausenden Religionen ganz zu schweigen.
Es gibt bestimmt Abbildungen von diesen lieben Tierchen, mit ein paar geschickten Fotomontagen, liese sich das Publikum doch leicht zufriedenstellen, sie müssten halt nur Grusel erzeugen und um Eure Skrupel zu verdrängen, gilt doch heute mehr denn je der Klassiker, DIE WELLT WILL BETROGEN SEIN.
Aber ich fürchte, die Helden sterben nie aus, und Ihr werdet es weiter glucksen
lassen, es sei denn, man klaut Euch die Kamera, egal ob Zweibeiner, oder Vielarmer
( was ich Euch aber nicht wünsche)
Viel Glück ( Ihr könnt es echt brauchen)
H.M.Syré