Sonntag, 26. September 2010

Sitzfleisch II

Der Mann hat gut lachen: seine Pferde und meine Reitkünste werden ihm noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. Es sei ihm gegönnt, so eine Show bekommt er wahrscheinlich nicht oft - selten hat  Kommunikation so versagt, wie zwischen dem namenlosen Pferd und mir. Unsere kleine Gruppe macht es besser: als wir am nächsten Morgen um 04.30Uhr Richtung Flughafen aufbrechen, tauschen wir immerhin Basisemotionen aus - mehr ist aber auch hier nicht drin. Ein langer Tag liegt vor uns, wir bewegen uns von Uruapan nach Mulegé auf der Baja California. Mexiko ist groß, unsere Reise wird etwa 17 Stunden in Anspruch nehmen. Mit dem Flieger nach Tijuana, umsteigen und weiter nach La Paz. Dann noch sieben Stunden Autofahrt und schwupps: schon sind wir da. Eigentlich läuft alles wie am Schnürchen, es gibt lediglich kleinere Unterbrechungen an den militärischen Check-Points. Türen öffnen, aussteigen und das Auto wird durchsucht. 28.000 Zivilisten sind in den vergangenen drei Jahren bei Gefechten mit Uniformierten ums Leben gekommen, die Toten aus Bandenkriegen noch nicht mitgezählt. Der Drogenkrieg beutelt das Land, Mord und Kindesentführung sind an der Tagesordnung. Und das Phänomen, sich mit diesen Zuständen zu arrangieren hat Namen: "Shifting Baselines". Oder vereinfacht gesagt: man gewöhnt sich an alles.

Und noch ein Nachtrag in eigener Sache: Thorsten, der Mann mit dem exquisiten Geschmack hat sich beschwert. Nein, nicht über sein Essen. Natürlich nicht. Sondern über meine - seiner Meinung nach - unzureichende Beschreibung der olfaktorischen Beleidigung, die ihm und uns widerfahren ist. Er legt Wert auf die Feststellung, dass sich der genannte Geruch zwischen Erbrochenem und Kleinkindkot einordnen lässt. Was soll ich sagen? Er hat Recht.




2 Kommentare:

  1. Das ist ja wirklich lecker - wenn ich jetzt an das Abendessen denke, dann sage ich nur "Guten Appetit!", wie kriegt man soetwas ohne selbst zu Erbrechen hinunter????
    Ansonsten finde ich die Zähne dieses Pferdeflüsterers beneidenswert und überlege mir nochmal, ob ich mich kurzfrisitg einer kieferorthopädischen Behandlung im Ausland unterziehen sollte - würde hierfür höchstens nochmal die genauere Adresse von Dir benötigen... Erstmal weiterhin alles Gute und freue mich schon auf weitere Berichte. LG W.
    P.S. Ruhig noch mehr Fotos - die sind klasse!

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  2. Über die Freude der mexikanischen Drogenkrieger über Eure Ankunft dort, habe ich mich ja schon einmal in einem früheren Artikel ausgelassen.
    Aber nun scheint es wirklich Ernst zu werden und man kann sich langsam Sorgen machen um Euer Team, da tröstet auch der Spruch:
    "Shifting Baselines" nur bedingt.
    Das Problem mit dem Pferd könnte vielleicht auch eine ausgeprägte Geruchsempfindlichkeit des Tieres, als Ursache sein??? (eine Möglichkeit ?)
    Aber im Ernst, jetzt machen wir uns wirklich Sorgen und warten bangend auf die nächsten Lebenszeichen!
    Bis bald
    H.M.Syré

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