Mittwoch, 22. September 2010

Wo Menschen Götter wurden

Mein Körper weiß noch nicht so genau, was er mit der veränderten Tag-Nacht Situation anfangen soll. Die 14 Stunden Zeitverschiebung fühlen sich nämlich an, als ob Teile von mir noch im Raum-Zeit-Kontinuum festkleben, während sich der Rest mühsam und ohne nennenswerten Erholungsfaktor durch die erste Nacht schleppt. Den anderen geht es ähnlich und so nutzen wir tagsüber jede sich bietende Gelegenheit, um die Augen für ein paar Minuten in den Schlafmodus zu versetzen. Doch als wir an unserem Ziel ankommen, hat niemand mehr Lust auf weitere Nickerchen - Teotihuacán liegt vor uns, die 1000 Jahre alte Hauptstadt der Azteken. Im Zentrum der  altamerikanischen Metropole liegt die Sonnenpyramide, drittgrößte Pyramide der Welt und unser heutiger Drehort - ohne Fahrstuhl. Langsam steigen wir die Treppe hinauf, um mich herum wird es allmählich ruhig. Der ein oder andere lockere Spruch prallt an dem Bauwerk ab, lediglich mühsam unterdrücktes Keuchen ist noch zu vernehmen - wir befinden uns auf 2.300m Höhe, die lassen sich beim Klettern halt nicht schönreden. Geplant ist eigentlich eine Steadicam-Einstellung die Treppe hinauf - die Höhe der einzelnen Stufen lässt das aber nicht zu und so disponieren wir um. Heute läuft die Zeit endlich mal nicht gegen uns: eine Sondergenehmigung macht es möglich, dass wir außerhalb der Öffnungszeiten am Abend drehen dürfen. Bis zu 200.000 Menschen sollen hier gelebt haben und als wir endlich alleine in der Dämmerung sind, spüren wir die Ausstrahlung dieses mystischen Ortes, in dem regelmäßig Menschen als Opfergabe für die Götter der Azteken in blutigen Ritualen hingerichtet wurden.  Teotihuacán - der Name ist Programm: "wo Menschen Götter wurden".

4 Kommentare:

  1. Tolles Foto vom Kameramann, ist Titelbild fähig, nur ist leider diese wirklich sehenswerte Pyramide, kaum zu erkennen, aber da gibt es betimmt noch bessere Fotos demnächst und darauf freue ich mich.
    Wo Menschen Götter wurden!!!
    also war man auch früher fast schon so überheblich, wie wir Heutigen.
    Na dann mal her mit der Pyramide..........
    Gruß
    H,M.Syré

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  2. Da ist sie ja, Danke.
    Dort wurden also Menschen geopfert, für gute Ernten und wahrscheinlich auch für genügend Wasser, denn ohne dieses kann es keine guten Ernten geben.
    Aber, wie viele namenlose Menschen mussten beim Bau dieses riesigen Gebildes ihr Leben lassen, ohne gleichzeitig Opfer zu sein ???
    Nun bin ich aber neugierig auf Details.
    Die Kulturen der Azteken, Majas und Inkas haben mich schon immer fasziniert.
    Gefällt mir, was Ihr da vorhabt.
    Gruß Syré

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  3. i like ;-)
    wie war das noch gleich? am 21.12.2012, geht laut der majas, die welt unter und die götter kehren zurück??
    oli...tu was...das können wir doch nicht zulassen..hahaha ;-)

    lg biene

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  4. Geniale Berichterstattung, die so spannend ist, dass man garnicht mehr aufhören mag zu lesen (insb. wenn man einige Tage nachzuholen hat.).
    Ich finde das eingestellte Bild von Dir (mit dem gezeigtem Hintergrund)kommt richtig gut rüber. LGrüße W.

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