| Blick auf Nagoya beim Abflug, Langzeitbelichtung |
Die Sonne brennt uns gnadenlos auf den Pelz, der Schweiß fließt wieder mal in Strömen, aber vor meiner Kamera spielt sich beeindruckendes ab: Kormoranfischen. Was das ist? Ganz einfach: ein Kormoran bekommt eine Art Halsband umgelegt und eine Leine um den Körper. Dann ab ins Wasser mit dem Tier, die Leine schön locker halten. Der Kormoran taucht und fängt die Fische – die Kleinen kann er schlucken, nur die Grossen schafft er nicht; das Halsband sitzt zu eng. Sobald der Vogel den Hals voll hat, zieht der Fischer ihn an Bord und massiert den Hals, bis der Kormoran den Fang wieder hoch würgt. Und weiter geht’s. Ein gut trainiertes Tier schafft bis zu 150 Fische in der Stunde, etwa 12 Tiere sind gleichzeitig im Flusswasser – da ist mächtig was los. Den Buddhisten hilft diese Form des Fischens übrigens auch: die Kormorane übernehmen für sie das Töten der Fische, etwas, was sie selber nicht dürfen. Nebenbei bemerkt ist der Drehort eine einzige Qual, denn um uns herum fahren regelmäßig Züge über die Eisenbahnbrücke, Touristenboote knattern lautstark an uns vorbei und der örtliche Fischer erklärt uns höflich, dass er eigentlich keine Zeit mehr hat. Auch die nahe gelegene Bundesstrasse und die zahlreichen Wassersportler bereiten uns keine Freude. Aber: nichts von alledem wird nachher zu sehen oder zu hören sein, wir können zufrieden sein. Das wohlverdiente Mittags-Sushi ist hervorragend und der umgehend folgende Käsekuchen schmeckt ebenfalls. Seit Tagen zucker- und fettarme Kost; auch wenn uns die lokale Küche ausgezeichnet schmeckt - jetzt ist es dann doch Zeit das Ende der Abstinenz. Auf dem Weg zum Flughafen fangen wir dann aber doch wieder an mit dem Aufhören: wir hören nämlich auf, uns zu wundern. Immer wieder schauen wir auf die Uhr - es sind nur noch 25 Minuten bis zum Abflug und unsere Aufnahmeleiterin Fuyuko ist völlig entspannt. Warum auch nicht? 5 Passagiere und 230kg, verteilt auf 16 Gepäckstücke – das ist offensichtlich ein Klacks für das japanische Zeitmanagement. Also schieben wir gemütlich unsere Gepäckwagen in den Flughafen von Nagoya, Fuyukos Gelassenheit ist ansteckend. Der Anblick unserer kleinen Reisegruppe zaubert dem Personal ein Lächeln ins Gesicht, die damit verbundene Verbeugung leitet den stressfreien Check-in ein. Und als wir dann (pünktlich) in der kleinen Maschine nach Kumamoto sitzen – die Kamera liegt aus Platzgründen neben mir – blicke ich aus dem Fenster und bin dann doch noch überrascht: im letzten Tageslicht steht das siebenköpfige Bodenpersonal in Reih und Glied auf dem Vorfeld, verbeugt sich lächelnd wie auf Kommando und winkt zum Abschied mit strahlendweißen Handschuhen. Hm. Wie wäre es eigentlich, wenn man das auch mal auf deutschen Flughäfen einführen würde?
| Am Abgrund |
Aber all die Freundlichkeit hilft leider trotzdem nicht weiter. In Kumamoto gießt es wie aus Kübeln - vor lauter Wasser von oben sieht man kaum seine Hand vor den Augen. Und dabei wollen wir doch auf den Mount Aso, einen der aktivsten Vulkane der Welt. Bei dem Sauwetter ist der Krater jedoch weiträumig gesperrt; es ist viel zu gefährlich, sich am Kraterrand aufzuhalten. Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt, denn erst am nächsten Tag zeigt sich wieder blauer Himmel. Also, der Berg ruft - denken wir. Nur leider ist heute Gasalarm - ein höchst seltenes, aber dafür lebensgefährliches Ereignis. Alle zehn Jahre passiert das mal. Ist ja klasse. Wir werden Zeuge, wie Heerscharen von japanischen Touristen im Laufschritt die Aussichtsplattformen verlassen müssen und völlig aufgelöst in ihre Busse springen. Unser Drehtag scheint sich bereits in stinkiger Schwefelluft aufzulösen, als wir von unserem Vulkanologen Gasmasken in die Hand gedrückt bekommen und er uns abseits der touristischen Pfade direkt an den Kraterrand führt. Und bereits kurze Zeit später gibt er auch schon Entwarnung - und wir können das imposante Naturschauspiel in vollen Zügen geniessen.
Hochinteressant, aber dabei sein möchte man doch lieber nicht, ist offensichtlich ein Knochenjob, bei dem man aber Situationen erlebt, wie kaum sonst Jemandem es möglich ist
AntwortenLöschenAllein die Vielzahl von unterschiedlichsten Eindrücken, kompakt am eigenen Leib zu verspüren, ist schon LEBEN prall.
Die Kameraleute hatten schon immer meine vollste Bewunderung.
Bei jedem Film den ich sehe, versuche ich, hinter der Kamera zu stehen
und zu staunen.
Weiter so, aber hoffentlich UNFALLFREI
H.M.Syré
Unfallfrei? Ich hoffe auch, das das so bleibt.
AntwortenLöschenBeste Grüße,