Der Tag beginnt nicht nur richtig früh, sondern auch traditionell japanisch: mit Schlange stehen. Diesmal stehen wir allerdings nicht am Ende, sondern bilden unfreiwillig den Anfang. Während wir in der Halle warten, bildet sich hinter uns zügig eine kleine Schlange. Einfach so und ohne Grund. Wir sind auf dem Weg nach Hokaido, wollen dort Lachse filmen. Ein ganzer Tag ist dafür vorgesehen, aber leider sind die Fahrtzeiten auf der Insel so lang, dass uns doch nur wenig Zeit bleibt, um die geplanten Einstellungen zu drehen. Also, Angleranzüge raus und ab in den Fluss. Überall schauen Flossen aus dem flachen Wasser, die Lachse kämpfen sich stromaufwärts in ihre Geburtsgewässer und vollbringen dabei wahre sportliche Höchstleistungen. Ihre Belohnung: das Laichen. Gefolgt vom Tod. Der allerdings auch schon vorher eintreten kann, denn Hokaido hat eine höhere Braunbärdichte als Alaska. Soll heißen: Augen auf am Ufer und immer schön quatschen, damit die Bären gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen. Die Unterwasserkamera wird eilig vorbereitet und wir bekommen tatsächlich wunderschöne Aufnahmen, was gar nicht so einfach ist, weil sich die Tiere mit hohem Tempo bewegen. Durchfroren vom kalten Wasser machen wir uns schließlich auf den Rückweg und haben nur noch einen Drehtag vor der Brust. Und jetzt schliesst sich noch ein Kreis - wir drehen in Tokyos Stadtteil Shibuya, zentral auf der Kreuzung.
Es ist ziemlich viel los - genau das, was wir wollen. Das Problem bleibt jedoch die Kamerabewegung, denn wir wollen mitten im Gewühl einen Gang mit anschließender 360°Grad Drehung drehen. Das ist nicht nur eine Herausforderung für das gesamte Team - wir können nur hoffen, dass der aufmerksame Fussgänger unserer elfengleich vorgetragenen Tanzchoreographie jederzeit graziös ausweichen kann. Ohne die Hilfe weiterer helfender Hände, die mir den Rücken freihalten, ist dieses Vorhaben völlig undenkbar. Ich würde jetzt gerne mal in die Vogelperspektive wechseln - nur für einen klitzekleinen Moment - und nur, um zu sehen, wie wir mit unserem kreisförmigen Tanz Eleganz versprühen. Es sind allerdings einige Takes nötig, immer wieder stören uns Kleinigkeiten im Ablauf. Erst als es bereits zu dämmern beginnt und die Lichter an Tokyos grösster Kreuzung angehen, können wir unseren Drehschluss vermelden und das ohne Fussgänger-Camera-Crash. Eine schöne Produktion ist vorbei und bereits morgen Abend sitzen wir im Flieger nach Mexiko-Stadt. Einmal um den Globus, knappe 20 Stunden Anreise und 14 Stunden Zeitverschiebung. Südamerika, wir kommen...
hey oli...
AntwortenLöschenes wird langsam wirklich zu einer kleinen sucht;-) fast täglich schaue ich nach neuen beiträgen! es ist wirklich sehr spannend zu lesen und ich ziehe den hut vor deinem job...grandios!
ach oli...könntest du mir vielleicht einen netten samurai mitbringen?..hahaha;-) lg biene
Die Berichte sind faszinierend und bewundernswert. Es grenzt schon an Abenteuer was Ihr da betreibt und dass, offensichtlich ohne Erholungspause, aber die kommt ja nun im Flieger (aber ob das Erholung ist. vermag ich nicht zu beurteilen, ich bin noch nie 20 Stunden geflogen)
AntwortenLöschenDass war also Japan pur und nun kommt Mexiko,
Die Trogendieler warten schon auf Promis vom Fernsehen, die versprechen nämlich satte Lösungsgelder
Gruß
H.M.Syré
Hi Sabine, schön, das Dir der Blog gefällt - nur leider bin ich mittlerweile in Mexiko, es ist also zu spät für einen kleinen Samurai...außerdem haben die lange Haare...;-)
AntwortenLöschenBis bald, Oli
Hola et bienvenido a Mexico! Das war ja - wie immer - super spannend bisher zu verfolgen! Auf der anderen Seite der Welt angekommen, werdet ihr bestimmt auch Aufregendes erleben. Vergesst neben eurer Arbeit aber nicht kuehles Cerveza und heisse Salsa-Rythmen zu geniessen! Bin gespannt von euch zu hoeren und zu sehen! LG Sam
AntwortenLöschenHi Oli,
AntwortenLöschenich bin auch fast täglich auf der Suche nach neuen, spannenden, unterhaltsamen Beiträgen. Weiter so!! Aber Du wirst ja echt immer dünner - liegt's an der gesunden japanischen Küche? ;-) Steht Dir aber gut! Aber jetzt darf's ja auch mal ein Enchillada con pollo sein, oder.
LG aus Berlin, Simone
Hi Simone, ich freu mich, dass Du Dich weiterhin hier tummelst... Leider setzt sich die Enchillada sofort auf die Hüften...;-) Aber danke für das Kompliment!
AntwortenLöschenBis bald, Oli
Du weißt ja, dass ich Deine Berichte wahnsinnig gut finde - ohne Dir schmeicheln zu wollen - ist eben so! Aber Deine ausgewählten Bilder zeigen, dass Du - obwohl Du prinzipiell
AntwortenLöschenständig unter Strom stehst, Dir dennoch die Zeit zu großartigen Fotoexperimenten nimmst und tolle Ergebnisse lieferst. Ich sehe bildlich vor mir, wie Du in der Menge stehst und Mühe hast nicht umgerannt zu werden - anderseits fest die Kamera im Blick, die ja theoretisch schnell im Getummel geklaut werden könnte und Du den Atem anhälst, damit Du nicht unscharf wirst. Also auch hierfür volle Punktzahl von mir. Erneut LG W.