Donnerstag, 9. September 2010

Welcome to the Pleasuredome

Bereits kurz nach dem Einsteigen in den Airbus A380 ist klar: die japanische Höflichkeit beginnt bereits kurz hinter Frankfurt. Meine asiatischen Sitznachbarinnen geben sich nämlich dankenswerterweise alle erdenkliche Mühe mich in keinster Weise zu belästigen. Und während Thorsten sich dem analogen Entertainment in Form eines gedruckten Buches hingibt, erlebe ich den Flug in dieser riesigen Stahlwanne als völlig ereignislos. Nur leider auch als schlaflos. Und so fällt klares Denken im Laufe des Tages immer schwerer, die Augen offen zu halten ebenso. In meinem Hotelzimmer angekommen machen mir sogar die technischen Spielereien des stillen Örtchens zu schaffen - das Kleingedruckte auf der Klobrille hilft nicht weiter und ich kann nach einem kurzen Test nur dringend davon abraten, ohne Plan die Knöpfchen zu drücken.
Frei nach dem Motto "probieren geht über studieren" gerät die Suche nach der banalen Spülfunktion zu einem Abenteuer und man erfährt eindrucksvoll mehr über die japanische Entwicklungswut im Bereich Sanitär - ohne die Situation auch nur für einen Moment im Griff zu haben. Sprudelnde Wasserspiele, auch durch mehrfaches (festes) Drücken des (viel zu kleinen) "Stop"-Knopfes nicht zu bändigen, führen dann auch zu einer ersten Verspätung bei unserer Vorbesichtigungstour durch Tokio. Hier stellen wir sehr schnell fest, das wir ohne unsere Aufnahmeleiterin Fuyuko völlig aufgeschmissen wären. Kaum in der U-Bahn Station angekommen, verlieren wir schon die Orientierung und auch der Blick auf einen Ausschnitt des Streckennetzes gibt weniger Antworten als erhofft.
Trotz Müdigkeit hängen wir an Fuyukos Fersen und erreichen nach kurzer Zeit einen unserer Drehorte der nächsten Tage: die grösste Kreuzung Tokios, gelegen im Stadtteil Shibuya. Zu abendlichen Spitzenzeiten wird sie von bis zu 15.000 Menschen pro Ampelphase überquert. Als wir dort eintreffen, ist glücklicherweise nur ein Bruchteil unterwegs , so dass wir in Ruhe

Kamerapositionen festlegen können. Viel mehr geht dann aber auch nicht mehr. In unserem Hanseatisch-Rheinisch-Bayrischen Kollektiv lässt sich der Jetlag nun nicht mehr ignorieren und so machen wir uns nach einem nach einem leckeren Abendessen auf den Weg ins Hotel. Und bei dem Blick in mein Badezimmer frage ich mich verzweifelt, ob ich nicht lieber noch im Restaurant mal kurz hätte austreten sollen...aber da sind die Klos neben obligatorischer Dusch- & Bidetfunktion noch beheizt, haben einen integrierten Fön, geben komische Geräusche von sich und machen neuerdings auch Urintests - und DAS wäre für heute nun echt zu viel des Guten!


2 Kommentare:

  1. Zunächst einmal sind wir froh, das der große Vogel nicht vom Himmel gefallen ist. Vor ca 50 Jahren hättet Ihr Euch bestimmt leichter getan mit der eigenen Entleerung, aber hättet nicht so viel Spaß bei der Verrichtung gehabt. Immerhin erlebt Ihr dort Exotik pur und werdet dafür auch noch bezahlt, also, nicht jammern, genießen!!! Meine Empfindung in Städten
    im allgemeinen ist, ich halte sie für ausgesprochen menschenfeindlich und solch Megastädte schon mal ganz und gar, ich liebe Schweinheim!!!
    Übermorgen ist die Einweihung für unsere Skulpturen, ab dann müssen alle vorübergehenden die Mütze ziehen, ich passe von meinem Fenster aus
    auf, ob sie es auch tun!
    Bis später
    H.M.S

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  2. Och Oli...
    Die ganze Reiserei stumpft dich total ab!
    Andere wären froh, hätten sie nen Whirlpool im Hotelzimmer :-)
    Gruss vom
    Bruderherz,
    der grad im ICE mit randvoll verstopfter Toilette unterwegs ist...

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